Jörg ist seit über 20 Jahren als Trainer an der Vogtmann Akademie tätig und hauptberuflich Berufsschullehrer. Im Gespräch über Technikwandel, Motivation der Teilnehmenden und lebendigen Unterricht.
Jörg, du bist seit über 20 Jahren als Trainer bei Vogtmann aktiv. Wie haben sich die Arbeit an der Akademie und die Motivation der Kursteilnehmer in dieser langen Zeit verändert?
Die technische Entwicklung im Fahrzeugbereich ist rasant. Als Trainer an der Akademie muss ich mich permanent am Puls der Zeit bewegen. Heute kommt am Auto kaum noch eine Komponente ohne Elektronik aus. Für die Teilnehmenden führt daran kein Weg vorbei, auch wenn Systemdiagnose nicht zwingend das Spezialgebiet jedes Einzelnen ist.
Ein spürbarer Wandel: Das klassische Schrauben am Auto in der Freizeit ist fast vollständig verschwunden. Damit fehlt vielen Einsteigern diese wertvolle, intuitive Praxiserfahrung. Genau hier setzen wir an der Akademie an. Wir schließen diese Lücke gezielt und führen die Teilnehmenden hochmotiviert an die moderne Systemtechnik heran.
Du bist hauptberuflich Berufsschullehrer und nebenberuflich bei uns als Ausbilder tätig. Wie stark profitieren diese beiden Welten, Schule und Wirtschaft, in deinem Akademie-Alltag voneinander?
Diese beiden Bereiche bilden eine starke Symbiose und befruchten sich laufend gegenseitig. Im Berufsschulunterricht profitiere ich von realen Werkstattfällen, kniffligen Fehlersuchen und Live-Messungen aus der Praxis, die ich direkt einbinde.
An der Akademie wiederum setze ich mein didaktisches und methodisches Know-how aus dem Lehrerberuf ein. Das theoretische Fundament der Schule trifft hier direkt auf den hohen Praxisanspruch der Wirtschaft. Das ist ein klarer Gewinn für unsere Lehrgänge.
Deine Teilnehmenden loben besonders, dass dein Unterricht extrem lebendig und praxisnah ist. Was ist dein Geheimnis, um trockene Theorie aus Maschinenbau und Kfz-Technik spannend zu verpacken?
Das ist eigentlich kein Geheimnis, sondern gelebte Praxis. Wer die Werkstattrealität täglich vor Augen hat, kann komplexe Inhalte mit authentischen Beispielen aus der Lebenswelt der Teilnehmenden verknüpfen.
Da ich diese Themen seit vielen Jahren vermittle, kenne ich die typischen Stolpersteine und Fragen im Voraus. Ich hole die Teilnehmenden genau dort ab, verpacke trockene Formeln in bildhafte Geschichten und verknüpfe Theorie sofort mit real erlebbaren Werkstatt-Szenarien. So bleibt die Motivation bis zur letzten Minute hoch.
Es heißt, du gehst im Kurs auf jede noch so spezielle Frage der Teilnehmenden ein. Wie schaffst du diesen Spagat, ohne den roten Faden des Lehrplans zu verlieren?
Das braucht Erfahrung und ein klares Ziel vor Augen. Jede individuelle Frage aus dem Arbeitsalltag der Teilnehmenden ist wertvoll, weil sie jemandem unter den Nägeln brennt. Ich blocke solche Fragen nicht ab, sondern nutze sie als Brücke: Das spezielle Problem binde ich direkt als praktisches Fallbeispiel in das aktuelle Lehrplan-Thema ein.
So profitiert die gesamte Gruppe von einer realen Lösung, und wir kehren gestärkt zum roten Faden des Kurses zurück.